Bericht in der Vollversammlung am 17.Februar 2012

Geschätzte Vereinsmitglieder!

Präsident der OGT, Bgdr i.R. Ambros EIGNTLERErlauben Sie mir bitte am Beginn meines Berichtes, eine persönliche Bemerkung zu machen. Ich habe in den 45 Jahren meiner Dienstzeit als Offizier des BH einige Wellentäler, am Beginn der 60-er Jahre und in den 70-er Jahren erlebt. In Scharen verließen ausgezeichnete Offiziere und Unteroffiziere das Bundesheer, da sie in anderen Institutionen und in der Privatwirtschaft lukrativere Posten erhielten. Das Image des Heeres war in der Öffentlichkeit im Keller und wir dachten tiefer geht es nicht mehr.

Sarkastisch witzelten wir damals, dass wir das Wellental nicht quer bewältigen sondern uns – auf Grund der langen Dauer des Tiefs -  in der Längsrichtung bewegen. Doch wie es uns die jüngste Entwicklung im Zuge des Sparpakets zeigt, geht es noch tiefer. Der Stellenwert der Soldaten ist offensichtlich in den Augen der Politik auf einen Nullpunkt gesunken. Bestätigt wird diese Annahme durch die Aussage durch den Gastbuch General Edmund ENTACHER: „Der Schaden wird riesig sein." Es ist grundsätzlich klar, dass gespart werden muss, doch so wird das Heer – egal ob Berufsheer oder Wehrpflichtigenheer - in den nächsten Jahren finanziell vor die Hunde gehen und am Ende steht die Pulverisierung der milit. Fähigkeiten. Es bleibt nach Abzug der Personalkosten kaum mehr Geld für Ausbildungsvorhaben, für Modernisierung von Waffen, Gerät und Kasernen und der Aufnahmestopp verhindert eine Verjüngung des überalterten Kaderpersonals. Doch ist es nicht nur der finanzielle und materielle Schaden: Noch größer ist meiner Erfahrung nach der Schaden im psychologische Bereich des Kaders. Er zerstört die Motivation und das Vertrauen zwischen allen Führungsebenen und führt letztendlich zu Untätigkeit und Frustration.

Nun der Blick nach Innen. Das Schwergewicht der Arbeit der OG im Jahr 2011 lag im Verbund mit allen LOG auf das Eintreten für den Erhalt der Allgemeinen Wehrpflicht.

Ich darf die Kriterien, die für die allgemeine Wehrpflicht sprechen, schlagwortartig zusammenfassen:

  • Österreich ist ein Kleinstaat mit keiner Bündniszugehörigkeit, der über hohes Bildungsniveau und Wohlstand verfügt
  • Der Bedarf an Soldaten zur Wahrnehmung der militärischen Kernaufgaben der Landesverteidigung (Schutz der lebensnotwendigen Infrastruktur), der Katastrophenhilfe und Assistenzeinsätze,
  • Basis für den Aufwuchs für die Erfüllung von Aufgaben für Friedensmissionen im Ausland
  • Die Kostenfrage (Miliz billiger als Berufsheer )
  • Der Zusammenhang mit einer Wehrdienstleistung im Sinne des Gemeinwohls ( Zivildienst )

Allerdings den Zivildienst, die Katastrophenhilfe und Assistenz bei Großveranstaltungen für die Beibehaltung der Wehrpflicht vorzuschieben, wie es die Mehrheit der Landeshauptleute kund tut, ist kein treffendes Argument.

Der ÖOG ist es medienwirksam gelungen, der breiten Öffentlichkeit unsere Positionierung darzulegen. GenMjr BAUER wird als Generalsekretär der ÖOG auf Details eingehen.

Auch ich hatte die Gelegenheit, in mehreren Artikeln in der TIROLER TAGESZEITUNG Klartext in Bezug auf die österreichische Wehrpolitik zu reden.

Es wird Ihnen sicher aufgefallen sein, dass 2011 keine Vorträge und Veranstaltungen durchgeführt wurden. Dieser

Stillstand wurde vom Vorstand bewusst herbeigeführt, da das geringe Interesse an Vorträgen die Honorarkosten der hochkarätigen Referenten nicht mehr verantwortbar waren.

Highlight war die Teilnahme am 6. sicherheitspolitischen Symposium am 25.Mai 2011 in Wien mit dem Thema „Allgemeine Wehrpflicht – Sicherheit und Solidarität für Österreich". Das Thema wurde von deutschen, schweizerischen und französischen Offizieren durchleuchtet und die Positionierung der Parteien durch ihre Vertreter vorgestellt.

Im Herbst erfolgte ein Besuch des JagdGeschw 74 in Neuburg a.d. Donau, das über 22 Eurofighter verfügt. Im Herbst wurde eine partnerschaftliche Kooperation mit dem Tiroler Kameradschaftsbund besiegelt.

An dieser Stelle darf ich den CIG ervorheben, der intern Vorträge zu aktuellen Fragen der österreichischen Sicherheitspolitik organisiert.

Die Zeitschrift „Der Offizier" wurde 2011 viermal versandt. In der Tiroler Beilage wird über das Geschehen in der OGT, MilKdo T und 6.JgBrig informiert.

Erlauben Sie mir einen Seitenschwenk. Die Säumigkeit mancher Mitglieder in der Bezahlung des Mitgliedsbeitrages zwingt uns zur Einmahnung ausstehender Mitgliedsbeiträge, auch wenn wir uns bewusst sind, dass dadurch Mitglieder verloren gehen. Ohne dem Prüfbericht vorzugreifen, bedanke ich mich beim Kassier für sein persönliches Engagement.

 

Ich wünsche mir Offiziere als „Mutbürger“, die offen ihre Meinung sagen und die den Mut haben für ihre Handlungen einzustehen. GenMjr BAUER ist einer der wenigen hohen aktiven Offizieren, der offen für die allgemeine Wehrpflicht eintritt und sich gegen die Reformpläne des Bundesminister stemmt, ganz im Sinne der Worte von Dr. Annelies ROHRER in ihrem Buch "Ende des Gehorsams": „Wir müssen aufhören zu gehorchen und anfangen, uns einzumischen. Es ist höchste Zeit.

 

Bgdr i.R. Ambros Eigentler MSD