Von 22. bis 24. Mai 2012 übten militärische und zivile Helfer in Österreich, Deutschland und der Schweiz den gemeinsamen Einsatz nach einer Erdbeben-Katastrophe. An dem länderübergreifenden Training beteiligen sich mehr als 4.000 Personen, darunter 1.000 zivile Kräfte in Tirol und 800 Frauen und Männer des Österreichischen Bundesheeres.

Die dramatischen Ereignisse des Erdbebens am 20.Mai in Bologna, dessen Auswirkungen auch in Tirol zu spüren waren, gaben der Übung einen aktuellen und ernsthaften Hintergrund. Gemeinsam mit zivilen Einsatzorganisationen und Behörden aus und in Tirol wurden durch die Soldaten mannigfaltige Aufgaben im Rahmen der simulierten Folgeschäden des Erdbebens mit einer angenommenen Stärke von 6, 3 nach Richter bewältigt. Der Übung waren seit 2009 zahllose trinationale und nationale Besprechungen und Workshops sowie 2011 eine Stabsübung vorausgegangen. "Die Auswirkungen von Katastrophen machen vor Grenzen nicht halt. Umso wichtiger ist es, frühzeitig die Kooperation auch über Staatsgrenzen hinweg zu üben", so Tirols Militärkommandant Generalmajor Herbert Bauer. Neben den zivilen Einsatzorganisationen und der erheitsexekutive kamen unter der Führung des Militärkommandos Tirol auch Soldaten der Miliz (Stab/MilKdo, Jägerbataillon Tirol, Pionierkompanie Tirol, Feldambulanz des Sanitätszentrums West) und Kräfte der 6.Jägerbrigade aus Tirol, Salzburg und Kärnten sowie 7 Hubschrauber aller in Österreich verwendeten Typen zum Einsatz. Von ziviler Seite waren Teile der Landeseinsatzleitung sowie die Bezirks- und Gemeindeeinsatzleitungen
von Reutte und Kufstein mit den Blaulichtorganisationen und ihren Krisenstäben im Einsatz. Die Zusammenarbeit mit Deutschland und der Schweiz erfolgte auf Basis binationaler Abkommen zur grenzüberschreitender Katastrophenhilfe über Austausch von Verbindungselementen vorallem zwischen den beteiligten militärischen Kommanden Wehrbereichskommando IV „Süddeutschland", Landeskommando Bayern in München, Territorialregionskommando 4 in St. Gallen und dem Militärkommando Tirol. Auf deutscher Seite waren mehr als 40 zivile und militärische Katastrophenschutz- und Krisenstäbe aus Bayern und Baden-Württemberg beteiligt. Aus der Schweiz waren auf militärischer Seite die Führungsorganisationen der Kantone Thurgau und Graubünden, sowie verschiedene Gemeindeführungs- und Rettungsorganisationen und das Katastrophenhilfsbataillon integriert. Erstmals wurden die bereits seit längerer Zeit bestehenden Verfahren zur grenzüberschreitenden, trinationalen zivil-militärischen Katastrophenhilfe durch Austausch von Truppen und Verbindungskommandos auch praktisch überprüft und erprobt.

Die Übungsannahme der"TERREX" (territorial exercise) war, dass ein Erdbeben der Stärke 6,3 nach Richter Tirol und Regionen im benachbarten Ausland erschütterte. Die Katastrophe forderte unzählige Verletzte und Tote. Häuser, Brücken, Verkehrswege und Strommasten wurden zerstört. Die 2.000 Retter und Helfer der Blaulichtorganisationen aus dem In- und Ausland standen unter Dauerbelastung.
Das Österreichische Bundesheer, die deutsche Bundeswehr und die Schweizer Armee wurden von den zuständigen Behörden zur Hilfe angefordert. In den Bezirken Reutte und Kufstein bewährten sich die Milizsoldaten der Pionierkompanie Tirol und die Pioniere des Pionierbataillons 2 der 6. Jägerbrigade beim Brückenbau, die Sanitätssoldaten mit der Feldambulanz, dem Roten Kreuz und dem Arbeiter Samariterbund , die ABC- Abwehrsoldaten waren erfolgreich in der Zusammenarbeit mit der Feuerwehr und die Hubschrauber in der Zusammenarbeit mit der TIWAG Netz AG beim Wiederherstellen von Stromleitungen oder der Wasserrettung. Die Miliz-Verbindungsoffiziere koordinierten und managten die grenzüberschreitende militärische Zusammenarbeit bei den Einsatzstäben im deutschen Wehrbereich IV und im Schweizer Territorialkommando 4 und den Bezirkshauptmannschaften. Das Jägerbataillon Tirol stand teilweise im sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatz und arbeitet hier im Objektschutz mit der Polizei zusammen. Weitere Soldaten dieser 2006 gegründeten Milizeinheit unterstützten die in- und ausländischen Rettungsorganisationen bei Evakuierungen und Bergungen an den Hotspots Reutte/Füssen und Kufstein/Brannenburg. Die Übung wurde von Verteidigungsminister Mag. Norbert Darabos, dem stellvertretenden Generalstabschef Generalleutnant Mag. Othmar Commanda und dem stellvertretenden Kommandanten der Streitkräfte, dem Tiroler Generalmajor Mag. Dieter Heidecker besucht, die den eingesetzten Kräften Dank und Anerkennung aussprachen.

Die Übung TERREX 2012 war zugleich das 10 jährige Jubiläum der Serie von jährlichen Landeskatastrophenübungen in Tirol die unter Leitung der Abteilung für Katastrophen- und Zivilschutz des Amtes der Tiroler Landesregierung, der Sicherheitsdirektion für Tirol und dem Militärkommando Tirol initiiert und geplant und gemeinsam mit Bezirksbehörden, Gemeinden und Blaulichtorganisationen durchgeführt werden. Sowohl der Landeshauptmann von Tirol Günther Platter als auch der für Katastrophenhilfe zuständige Stellvertretende Landeshauptmann ÖR Anton Steixner lobten die in Tirol vorbildliche Zusammenarbeit der Einsatzkärfte und Behörden. "Das Konzept der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit aller zivilen und militärischen Einsatzkräfte sowie Behörden im unmittelbaren Grenzraum hat sich bewährt und sollte unbedingt vertieft werden.
Essentielle Teile der Unterstützungsleistungen wurden durch aktive Teile der 6.Jägerbrigade und des Kommandos Luftunterstützung aber auch durch die Milizeinheiten des Militärkommandos Tirol und des Sanitätszentrums West getragen", so das Resümee des Tiroler Militärkommandanten, Generalmajor Herbert Bauer, zur "Terrex 2012".