von l. nach rechts : GenLt Höfler, IOC Präsident J. Rogge, MilKdt GenMjr H. Bauer; Quelle: OStv Hörl, MilKdo TVom 13. bis 22. Jänner 2012 fanden die 1. Olympischen Jugendwinterspiele (Altersgruppe 14-18 Jahre) der Welt in Innsbruck statt. Innsbruck und damit Österreich war als erstes Land zum dritten Mal Austragungsort von Olympischen Spielen. Das Einräumen des Olympischen Dorfes für 1.700 Bewohner mit Betten, Kästen, Nachtkästchen, Sessel, Tischen, Bettwäsche und Stehlampen wurde von Anfang an unter intensiver Beteiligung an der logistischen Planung durch das Militärkommando durch Soldaten der Nachschub und Transportkompanie 6 ordnungsgemäß noch im Dezember 2011 abgeschlossen und der Einsatz an den Sportstätten zeitgerecht durch Kräfte der 6. Jägerbrigade mit 2. Jänner 2012 begonnen.

Mit starkem Schneefall und Windböen zog dann das Sturmtief „Andrea" über Tirol. Am Dreikönigstag standen in Tirol fast 600 Soldaten im Dienst. Die Einsatzzentrale des Militärkommandos Tirol war somit mit zwei Schwerpunkten beschäftigt. Einerseits liefen die Vorbereitungen für die Jugendolympiade auf Hochtouren, andererseits mussten Kräfte für eventuelle Einsätze auf Grund der Wetterlage bereitgehalten, eingesetzt und geführt werden.

Nach einer Anforderung des Landes Tirol für mögliche Einsätze in Zusammenhang mit den massiven Schneefällen im Jänner 2012 wurden Hubschrauber nach Landeck verlegt, sodass insgesamt 3 Black Hawks, 2 Augusta Bell 212, 1 Aluette III sowie 1 OH 58 im Einsatz standen. Ihre Aufgabe war es, neben verschiedenen Transporteinsätzen die Lawinenkommissionen zu unterstützen. Bereits am ersten Tag ihres Einsatzes wurden unzählige Flüge zu diesem Zweck geleistet, vom Zillertal bis ins Paznaun- und andere Seitentäler, auch das Gebiet um den Arlberg wurde abgeflogen. Zwischen Landeshauptmann Günther Platter und Militärkommandant Herbert Bauer wurde permanent die Lage aktualisiert, so dass alle Seiten jederzeit den vollen Informationsstand hatten. Der Hubschrauberstützpunkt Schwaz mit seiner Infrastruktur erwies sich einmal mehr als wichtige Drehscheibe und die Kaserne Landeck war erneut (nach „Galtür") ideale Basis für den fliegerischen Bereich und für die Einsätze im Tiroler Oberland.

Die Anzahl der eingesetzten Soldaten betrug Mitte der ersten Jännerwoche rund 200 Mann, weitere 400 Soldaten kümmerten sich um die Vorbereitungen für die YOG 2012, denn auch für diese Großveranstaltung war der Kampf gegen den Schnee Voraussetzung, um die Eröffnung im Bergisel Stadion und die Bewerbe an den verschiedenen Austragungsorten überhaupt sicherstellen zu können. Die Lawineneinsatzzüge in der Landecker Pontlatzkaserne sowie in der Winterstellerkaserne in St. Johann waren in Bereitschaft und kamen auch zum Einsatz. Damit standen gut ausgebildete und gut ausgerüstete Soldaten der 6. Jägerbrigade dem Militärkommando zu Verfügung, um Anforderungen seitens der Tiroler Landeswarnzentrale erfüllen zu können. Verstärkt wurden diese Kräfte durch die in Landeck und Schwaz stationierten Hubschrauber.

Dank der Nachtflugtauglichkeit der S70- Black Hawk und deren Besatzung konnten am 10. Jänner 50 Personen, darunter Frauen und Kinder, welche gegen 17.00 Uhr auf der Ahornbahnbergstation / Mayrhofen festsaßen, rasch und effizient auch in der Dunkelheit evakuiert werden. Mit einem speziell ausgerüsteten Hubschrauber der Type AB-212 wurde am 11. 1. 2012 versucht, einen vermissten 15 jährigen Tiroler, der in der Axamer Lizum im freien Schiraum vermutlich unter die Schneemassen geraten war, zu finden..

Das Gerät vom System P.A.S.S. (Personal Avalanche ReScue System), das auf hochfrequenten Radarsignalen basiert, zeigt Grenzflächen und eventuelle Einschlüsse (Streukörper) im Schnee auf. Werden solche Veränderungen auf dem Monitor im Hubschrauber wahrgenommen, wird die Stelle mit einer Boje markiert. In weiterer Folge untersuchen die Rettungsmannschaften, darunter die militärischen Lawineneinsatzzüge, am Lawinenkegel mittels Dampfsonden und anderen Suchgeräten den markierten Bereich. Das Gerät wurde nach Freigabe der Frequenzen seitens der Post AG in Landeck von den Bordtechnikern an der Agusta Bell – 212 montiert und war dann erstmals in Österreich in der Axamer Lizum im Einsatz.

Weitere Assistenzanträge für Abschöpfen von Flachdächern öffentlicher Gebäude und das Freimachen eines im Gebirge liegenden Flüchtlingsheimes mit schwangeren Frauen im Tiroler Unterland stellten weitere Herausforderungen dar und erforderten wegen des benötigten Personals des Truppenübungsplatzes Hochfilzen eine Zusammenarbeit mit dem Militärkommando Salzburg.

Die auch für Vorarlberg geltende Wetter- und Lawinenlage führte dazu, dass in Absprache zwischen den beiden Militärkommandanten die Kräfte des Jägerbataillons 23, die für den Olympiaeinsatz im Kühtai vorgesehen waren, nicht aus Vorarlberg nach Tirol verlegen konnten. Dadurch ergab sich ein Fehl an für Olympia benötigten Kräften, obwohl eigentlich wegen der Wettersituation auch hier, über die zugesagten Soldaten hinaus, zusätzliche benötigt wurden.

Der durch die Lage insgesamt gegebene personelle Engpass in Tirol wurde in hervorragender Zusammenarbeit mit der 6. Jägerbrigade vorerst durch die für den Einsatz in Kitzbühel vorgesehenen Kräften des Jägerbataillons 26/Spittal a.d.D. und des Pionierbataillons 2/Salzburg aber auch einer Gruppe des Truppenübungsplatzes Lizum/Walchen und Teilen der Militärmusik Tirol kompensiert. Darüber hinaus wurden seitens des Streitkräfteführungskommandos in Graz die Lawineneinsatzzüge Niederösterreich und Kärnten für einen Einsatz in Tirol designiert und eine Kompanie des Pionierbataillons 1/Villach auf Antrag des Militärkommandos Tirol am 070112 in Marsch gesetzt. Da der Felbertauerntunnel gesperrt war, wurden die Teile aus Salzburg und Kärnten auf Basis bilateraler Abkommen über das große Deutsche Eck nach Tirol verlegt. Die im Kühtai für Olympia eingesetzten Kräfte wurden durch Lawinenabgänge und Straßenverlegungen abgeschnitten und mussten im Einsatzraum nächtigen. Windgeschwindigkeiten bis zu 100 km und schwerer Schneefall erschwerten die Situation. Nach dem Eintreffen der Verstärkungskräfte und Verbesserung der Wettersituation gelang es den für Olympia eingesetzten Kräften alle Vorbereitungen für die Eröffnungsfeier am 13.1.2012 und die planmäßige Durchführung der Spiele abzuschließen.

Die Unterkunftssituation in den Kasernen Tirols war maximal ausgereizt. Die zur Verstärkung eingesetzten Kräfte des Jägerbataillons 26 und des Pionierbataillons 2 wurden am 100112 wieder entlassen, da sie zum Teil beginnend mit 160112 wieder für Kitzbühel zur Verfügung stehen mussten. Am 180112 trafen die ersten Teile des Radarbataillons für die Luftraumüberwachungsoperation Dädalus 12 ein. Die für sie vorgesehenen Unterkünfte wurden zuvor auf Antrag der Bezirkshauptmannschaft Landeck für Notquartiere für Touristen vorbereitet, die aufgrund der abgegangenen Lawinen nicht ihre Destinationen erreichen konnten. Am 190112 gab es in Innsbruck Fliegerbombenalarm. Noch bevor der Entminungsdienst des BMI Entwarnung geben kann, wurden bereits die Möglichkeiten zur Evakuierung der Bevölkerung aus der Innsbruck Innenstadt beurteilt. Die an diesem Tag vorgesehene Siegerehrung Olympia entfällt. In den Nächten vom 20. bis zum 22. Jänner stellten die Soldaten des Jägerbataillons 26 und des Pionierbataillons 2 unter Führung des erfahrenen Kaders des Jägerbataillons 24 durch übermenschliche Anstrengungen in Nachtschichten bei übelsten Wetterbedingungen die Durchführung der Schirennen in Kitzbühel sicher. Am 22. Jänner abends wurde die 1. Winterjugendolympiade in Innsbruck beendet, das Ausräumen des Olympischen Dorfs gestartet und die territorialdienstliche Unterstützung der Luftraumüberwachungsoperation „Dädalus 12" begonnen.